Diese Fähigkeiten brauchen Buchhalter von morgen

 

Es gibt mittlerweile unzählige Studien darüber, dass in Zukunft immer mehr Jobs durch Maschinen automatisiert werden. Ganz vorne dabei: Arbeitsabläufe in der Buchführung. Hier beträgt die Wahrscheinlichkeit sogar 97%, dass ein Großteil der Tätigkeiten in 5 – 10 Jahren durch Software erledigt wird.

Auch wir von CANDIS konnten durch unsere Forschungstätigkeiten im Bereich der Künstlichen Intelligenz, die wir gemeinsam mit dem DAI Labor in Berlin durchführen, große Fortschritte erzielen und den Buchhaltungsaufwand in einigen Fällen sogar um 90% reduzieren.

Es ist daher nicht mehr die Frage, ob das Berufsbild sich ändert, sondern wie schnell sich die Veränderung vollzieht. Einige Menschen sehen in Künstlicher Intelligenz eine Bedrohung. Dabei ist sie vielmehr ein Helfer, die uns dabei hilft repetitive und wenig anspruchsvolle Tätigkeiten wie das Abtippen von Belegdaten zu übernehmen.

Wenn wir unsere Zeit nicht mehr mit stumpfer und mühseliger Arbeit verschwenden müssen, können wir uns auf die Tätigkeiten konzentrieren, die komplexer und ansprechender sind. Für Buchhalter bedeutet dies, die Sisyphusarbeit hinter sich zu lassen und sich mehr Richtung strategischer Beratung im Bereich der Buchführung zu orientieren.

 

Von der Sisyphusarbeit zur strategischen Beratung in der Buchführung

Während die Roboter in der Buchführung all die langweiligen und wiederkehrenden Aufgaben übernehmen, beispielsweise Nummern in Excel-Tabellen „abtippen“ und IBAN Nummern auf Überweisungsträger zu übertragen, hat der Buchhalter endlich den Freiraum sich auf analytische Fähigkeiten zu konzentrieren. Und dieser Übergang ist durchaus wichtig. Historisch betrachtet haben Buchhalter seit jeher für eine gesundes Wirtschaftssystem gesorgt. Effiziente Kontoführung, ordentliche Wirtschaftsprüfungen und die Sicherstellung der Regelkonformität sind Aufgaben ohne die die Wirtschaft nicht rund laufen würde.

In der heutigen Zeit benötigen die Unternehmen allerdings noch viel mehr von der Finanzabteilung. In jedem Wirtschaftszweig wird von Buchhaltern erwartet, dass sie eine beratende Rolle übernehmen können. Buchhalter werden zu strategischen Beratern mit umfassender Kenntnis der Unternehmensprozesse. Ihre analytischen Fähigkeiten helfen dabei genaue Prognosen zu treffen.

Also alles gut soweit! Software, Roboter, Künstliche Intelligenz – wie man sie auch nennen mag, übernimmt die stupide Fleißarbeit. Buchhalter hingegen schlüpfen in strategische Schlüsselpositionen und werden für das Unternehmen wertvoller.

Es gibt jedoch einen Haken bei der Sache: Die Fähigkeiten, mit denen die meisten Buchhalter in ihrem Job groß geworden sind, unterscheiden sich signifikant von den Qualifikationen, die sie für die Zukunft benötigen!

Die Kompetenzen eines traditionellen Buchhalters lagen in den vergangenen Dekaden in der Genauigkeit und Verlässlichkeit der Übertragung von Daten und Zahlen. Dadurch sind die neuen Anforderungen für viele Buchhalter ein Stück weit Neuland. Analysen, Geschäftssinn, sowie zwischenmenschliche und kommunikative Fähigkeiten sind im klassischen Berufsbild des Buchhalters häufig etwas unterentwickelt. Nicht weil Buchhalter in diesen Bereichen allgemein schlecht wären, sondern in erster Linie, weil ihnen ohne intelligente Maschinen schlichtweg keine Zeit bleibt um sich in diesen Bereichen fortzubilden – ein Arbeitstag ist schließlich auf eine bestimmte Stundenzahl beschränkt.

 

Was Buchhalter in der Buchführung zukünftig lernen müssen

Helen Brand, Vorstandsvorsitzende der britischen Assosciation of Chartered Certified Accountants (ACCA), meint: “Um als professioneller Buchhalter erfolgreich zu sein, ist ein völlig anderes Bündel an Fähigkeiten notwendig als dies noch vor 10 Jahren der Fall gewesen ist. Und in der kommenden Dekade werden sich die Dinge, aufgrund der zunehmenden Beschleunigung der Weltwirtschaft, wahrscheinlich noch schneller und dramatischer verändern.“

Welche Talente sollte der Buchhalter von morgen also heute schon entwickeln? Umfassende Kenntnisse und Kompetenzen, Offenheit und Neugier! Nicht nur für die Buchhaltung, sondern für alle Unternehmensbereiche Kurzum, alles Wissen und Geschick, um die Unternehmensführung mit fundierten Prognose, datenbasierten Handlungsvorschlägen und Experten-Rat zu versorgen.

 

Zukünftige Schlüsselqualifikationen in der Buchführung

Daten-Analyse

In der Vergangenheit war es für die Finanzabteilung ausreichend historische Daten an die Führungsebene zu übermitteln. Heutzutage wird es allerdings immer wichtiger für Buchhalter auch Prognosen oder sogar Handlungsanweisungen abliefern zu können. Junge, moderne Unternehmen stellen bereits gezielt Buchhalter/Datenanalysten ein. Zukunftsorientierte Buchhalter benötigen sowohl theoretisches, als auch praktisches Wissen über Daten und Analysemethoden. Dies ist im Rahmen einer allgemeinen Transition von Statistik zu Big Data zu verstehen.

Effektive Kommunikation

Wir leben im Informationszeitalter. Doch um Daten im Unternehmen zu Informationen umzuwandeln, ist eine effektive Kommunikation zwingend notwendig. Ein herausragender Buchhalter der neuen Generation kann Daten nicht nur für sich selbst verstehen und einordnen, sondern besitzt auch die Fähigkeit diese Informationen präzise und verständlich anderen mitzuteilen. Dafür ist sowohl schriftliche als auch mündliche Kommunikationskompetenz unabdingbar, also die Fähigkeit kritisches Denken in überzeugende Dokumente umzuwandeln und relevante Informationen in Meetings mit der Führungsetage klar und bündig zu teilen.

Zwischenmenschliche Kompetenz

Die „guten alten Tage“, in denen sich Buchhalter noch im Hinterzimmer verkrümeln konnten und sich lediglich beim Kaffee holen dem Office Small Talk aussetzen mussten… diese Tage sind für Buchhalter in der Zukunft endgültig gezählt. Wenn Maschinen und Programme Daten abgleichen, übertragen, Zahlen prüfen und Bilanzen erstellen, wird der Buchhalter sich der sozialen Interaktion im Unternehmen nicht mehr entwinden können. Der Zahlenmensch muss dann auch zum Gesellschaftsmensch im Unternehmen werden. Zwischenmenschliche Kompetenz beinhaltet zum Beispiel das Arbeiten in Teams, Motivationsgabe, auf Mitarbeiter zugehen zu können und schlechte Nachrichten möglichst schonend zu übermitteln.

 

Kreativität

Zugegeben, wenn sich jemand in der Vergangenheit als “kreativer Buchhalter” bezeichnete, konnte man durchaus den einen oder anderen skeptischen Blick beobachten. Aber heutzutage sind Professionalität und Kreativität alles, aber keine Gegensätze für Buchhalter. Die dynamische und sich ständig verändernde Geschäftswelt von heute erfordert einen Buchhalter der neue Lösungen finden kann und in kurzer Zeit Vorteile für das Unternehmen erkennt und dabei Risiken abwägt. Das sprichwörtliche denken um die Ecke ist notwendig, um als Buchhalter in der strategischen Beratung für das Unternehmen wertvoll zu sein. Buchhalter die ihre Kreativität mit fundierten Kenntnissen über die finanziellen Möglichkeiten der Firma verbinden, können für komplexe Probleme schneller und effektiver eine Lösung finden.

Geschäftssinn

Buchhalter müssen neben ihrem Kerngebiet auch die anderen Bereiche des Unternehmens verstehen und deren Perspektive einnehmen, um als strategische Berater von der Führungsebene akzeptiert zu werden. Wenn Buchhalter mit anderen Abteilungen zusammenarbeiten und mit Experten aus anderen Feldern zusammenkommen, eröffnet dies die Möglichkeit das Unternehmen und seine Prozesse und Strukturen ganzheitlich zu erfassen und bei Entscheidungen die Perspektive von dem Unternehmen, seinen Angestellten, Aktionären und Kunden einzunehmen, um Konsequenzen verlässlicher vorherzusagen.

Computerkenntnisse

Technologie verändert nicht nur die einzelnen Berufe in ihrer Funktion, sondern die Technologie selbst wandelt sich immer schneller. Anstatt davon auszugehen, bis zum Karriereende mit der gleichen Software zu arbeiten, müssen Buchhalter in der Lage sein jedes Jahr neue Software bzw. Funktionen in ihre Arbeitsabläufe zu integrieren. Im Optimalfall folgt der Buchhalter jüngsten Entwicklungen im Bereich der für ihn relevanten Software und Tools und erkennt Potenziale zur Produktivitätssteigerung eigenständig. In jedem Fall sind Flexibilität und Anpassungsfähigkeit Schlüsseleigenschaften für den Buchhalter von Morgen.

 

Wie ist die Automatisierung der Buchführung also zu bewerten?

Eine Epoche in der der Mensch aufhört stumpfe Fleißarbeit zu erledigen und sich auf Arbeit konzentriert, die wirklich zählt. Das ist unserer Meinung nach eine exzellente Aussicht. Wir müssen uns nicht mehr in sperrigen Büros und von Dokumenten umzingelt durch endlose Bilanzen und Tabellen arbeiten, sondern können unser Wissen und unsere Fähigkeiten weiterentwickeln, um komplexere und spannendere Probleme für Unternehmen zu lösen. Gleichzeitig sind Unternehmen mehr als je zuvor auf Buchhalter angewiesen, die über den Tellerrand ihrer Zahlen blicken können und aus ihrer besonderen Perspektive heraus kreative und unerwartete Lösungen präsentieren, auf die andere Angestellte nicht kommen würden.

 

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