Was ist das Reverse-Charge-Verfahren?

Beim Reverse Charge handelt es sich ein Verfahren zur länderübergreifenden Verrechnung der Umsatzsteuer („Umkehrung der Steuerschuldnerschaft“, § 13b UStG). Wird z.B. ein beliebiges Produkt von einem Land in ein anderes verkauft, dann muss die Umsatzsteuer zwischen beiden Ländern verrechnet werden. Innerhalb der EU ist die Anwendung des Verfahrens einfach: Das leistende Unternehmen weist keine Umsatzsteuer auf seiner Rechnung aus, und meldet den Vorgang den Steuerbehörden. Daraufhin nimmt der Leistungsempfänger im anderen Land die Ware oder Dienstleistung in Anspruch und addiert die in seinem Land gültige Umsatzsteuer wiederum.
Reverse Charge ist nicht für alle grenzüberschreitende Geschäftstätigkeiten vorgeschrieben, Katalogleistungen, Werkleistungen oder innergemeinschaftlicher Beförderungsleistungen müssen jedoch zwingend per Reverse Charge abgerechnet werden.

In diesem Artikel zeigen wir, wie Ausgaben mit Steuerschuldumkehr verbucht werden, bei denen der Rechnungssteller nicht im EU-Ausland, sondern in einem Drittland (Reverse Charge Drittland) sitzt.

So wird Reverse Charge für ein Drittland angewendet

Bei der Umkehrung der Steuerschuld gilt zu unterscheiden, ob der leistende Unternehmer im EU-Ausland (siehe Reverse Charge im EU-Ausland) oder in einem sog. Drittland außerhalb der EU sitzt.

Beispiel: Der Leistungsempfänger mit Sitz in Deutschland nimmt eine Dienstleistung von einem Unternehmen (dem Leistenden) aus den USA in Anspruch. Der Erfüllungsort dieser Dienstleistung ist der Ort, an dem der Leistungsempfänger seinen Sitz hat. Also ist in unserem Fall der Leistungsempfänger umsatzsteuerpflichtig. Nun wird das sogenannte Reverse-Charge-Verfahren angewendet, wenn auf der Rechnung der US-Firma a) keine Umsatzsteuer ausgewiesen und b) auf das Reverse Charge Verfahren hingewiesen wird: „Steuerschuldnerschaft des Leistungsempfängers“.


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Beispiel für das Reverse-Charge-Verfahren für ein Drittland

Sie erhalten eine Rechnung von über 500 EUR netto.

Anders als Leistungen von EU-Unternehmen muss Ihr Steuerbüro Leistungen von Unternehmen aus Drittstaaten in der Umsatzsteuervoranmeldung gesondert ausweisen. Der Steuerschlüssel ist jedoch derselbe. Aus diesem Grund wird Ihr Steuerberater das entsprechende Automatikkonto (im SKR 04: #5925 – Leistungen eines im Ausland ansässigen Unternehmers – 19 Prozent Vorsteuer und 19 Prozent Umsatzsteuer) buchen.

Im SKR04 sieht der Buchungssatz dann folgendermaßen aus:

Betrag: 500 EUR
Sollkonto (Buchung des Aufwands): #5925 – Leistungen eines im Ausland ansässigen Unternehmers 19 % Vorsteuer und 19 % Umsatzsteuer
Habenkonto: #70000 (Kreditor)

Das Programm bucht die Steuer in diesem Fall wie folgt:

Betrag: 95 EUR (19% des Nettobetrags i. H. v. 500 EUR)
Sollkonto: #1407 (Abziehbare Vorsteuer §13b UStG 19%)
Habenkonto: #3837 (Umsatzsteuer nach § 13b UStG 19%)

Wichtig: Achten Sie unbedingt auf korrekte Rechnungen des leistenden Unternehmens!

Eine Rechnung aus dem Drittland muss folgende Angaben enthalten, damit Sie den Vorsteuerabzug geltend machen können:

1. Name und Anschrift des Rechnungsstellers

2. Name und Anschrift des Rechnungsempfängers

3. Die USt-ID des leistenden Unternehmens bzw. dessen Steuernummer

4. Die USt-ID des Leistungsempfängers

5. Das Rechnungsdatum

6. Eine fortlaufende Rechnungsnummer

7. Art und den Umfang der Leistung

8. Das Leistungsdatum bzw. der Leistungszeitraum

9. Hinweis auf das Reverse-Charge-Verfahren


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