Hier erfahren Sie, wie Ausgaben mit Steuerschuldumkehr (Reverse Charge) bei denen der Rechnungssteller im EU-Ausland sitzt, richtig verbucht werden

 

Reverse Charge Verfahren (EU-Ausland)

Was ist Reverse Charge?

Beim Reverse Charge Verfahren handelt es sich um die Umkehrung der Steuerschuldnerschaft (nach § 13b UStG). Es ist eine Spezialregelung im Umsatzsteuerrecht nach der nicht der leistende Unternehmer, sondern der Leistungsempfänger die Umsatzsteuer entrichten muss.

Der klare Vorteil für den Leistungsempfänger ist, dass er die gezahlte Umsatzsteuer nicht bis zur Erstattung durch die Finanzbehörden vorfinanzieren muss.

Beispiel für die Umkehrung der Steuerschuldnerschaft: Sie erhalten von dem Unternehmen „Facebook“ mit Sitz in Dublin, Irland eine Eingangsrechnung für die Schaltung von Werbeanzeigen auf Facebook.

 

Voraussetzungen

1. Sie erhalten eine ordnungsgemäße Rechnung, auf der auf das Reverse-Charge-Verfahren hingewiesen wird!

2. Auf der Rechnung ist sowohl die Umsatzsteueridentifikationsnummer (USt-ID) des Rechnungsstellers als auch Ihre USt-ID angegeben.

Konkret ist die Umkehrung der Steuerschuldnerschaft in § 13b UStG geregelt. Demnach geht bei bestimmten Leistungen die Steuerschuldnerschaft auf den Leistungsempfänger über, sofern dieser Unternehmer im Sinne des Umsatzsteuergesetzes ist.

 


 

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Sie gilt für folgende Leistungen an Unternehmer:

  • Werklieferungen in Deutschland eines im Ausland ansässigen Unternehmers (§ 13b Abs. 2 Nr. 1 1. Alt. UStG),
  • Sonstige Leistungen eines im Ausland ansässigen Unternehmers (§ 13b Abs. 2 Nr. 1 2. Alt. UStG), wenn die Leistungen nicht in Deutschland steuerpflichtig sind. Der ausländische Unternehmer hat hierbei seine Umsatzsteuer-Identifikationsnummer zu verwenden.
  • Lieferungen sicherungsübereigneter Gegenstände außerhalb des Insolvenzverfahrens (§ 13b Abs. 2 Nr. 2 UStG)
  • Umsätze, die unter das Grunderwerbsteuergesetz fallen (§ 13b Abs. 2 Nr. 3 UStG)
  • Lieferung von Gas über das Erdgasnetz oder von Elektrizität durch im Ausland ansässige Unternehmer (§ 13b Abs. 2 Nr. 5a UStG)
  • Lieferung von Gas über das Erdgasnetz oder von Elektrizität an Unternehmer, die Wiederverkäufer sind (§ 13b Abs. 2 Nr. 5b UStG)
  • Übertragung von Emissionsrechten (§ 13b Abs. 2 Nr. 6 UStG)
  • Lieferung von Altmetallen und Schrott im Sinne der Anlage 3 zu § 13 b UStG (§ 13b Abs. 2 Nr. 7 UStG)
  • Lieferung von Gold (in festgelegten Qualitäten) (§ 13b Abs. 2 Nr. 9 UStG)
  • Lieferungen von Mobilfunkgeräten, Tablet-Computern und Spielekonsolen sowie von integrierten Schaltkreisen vor Einbau in einen zur Lieferung auf der Einzelhandelsstufe geeigneten Gegenstand, wenn der Wert innerhalb eines wirtschaftlichen Vorgangs mindestens 5.000 Euro beträgt (§ 13b Abs. 2 Nr. 10 UStG)
  • Lieferung von edlen, unedlen Metallen und Metallhalberzeugnissen gemäß Anlage 4 zum Umsatzsteuergesetz, wenn der Wert innerhalb eines wirtschaftlichen Vorgangs mindestens 5.000 Euro beträgt. (§ 13b Abs. 2 Nr. 11 UStG).

Buchungsbeispiel für ein Reverse Charge Verfahren:

Sie erhalten eine Rechnung von Facebook i. H. v. 500 EUR netto.

Im SKR04 sähe der Buchungssatz dafür so aus:

Betrag: 500 EUR
Sollkonto (Buchung des Aufwands): #6600 (Werbekosten)
Habenkonto: #70000 (Kreditor)
Steuerschlüssel: 94

beispiel reverse charge

In den meisten Buchhaltungsprogrammen ist für den Sachverhalt ein eigener Steuerschlüssel hinterlegt, über den die korrekte Verbuchung der Umsatzsteuer und Vorsteuer abgebildet wird (in DATEV ist dies bspw. der Buchungsschlüssel 94 = 19% Vorsteuer und 19% Umsatzsteuer).

Das Programm bucht in diesem Fall folgendes:

Betrag: 95 EUR (19% des Nettobetrags i. H. v. 500 EUR)
Sollkonto: #1407 (Abziehbare Vorsteuer §13b UStG 19%)
Habenkonto: #3837 (Umsatzsteuer nach § 13b UStG 19 %)

reverse charge beispiel

Bitte beachten Sie:
Diese Verbuchung ist in der Theorie übersichtlicher, da die Verbuchung direkt über ein entsprechendes Aufwandskonto erfolgt und die Facebook-Rechnung tatsächlich Werbeausgaben zugeordnet wird.

 


 

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Alternative:
Es ist in der Praxis jedoch nicht unüblich den Sachverhalt direkt über das Automatik-Konto #5923 (im SKR 04) zu verbuchen. Hier sähe der Buchungssatz wie folgt aus:

Betrag: 500 EUR
Sollkonto: #5923 (Sonstige Leistungen eines im anderen EU-Land ansässigen Unternehmers 19 % Vorsteuer und 19 % Umsatzsteuer )
Habenkonto: #70000 (Kreditor)

Dies sieht in der BWA nicht so aussagekräftig aus, da der Aufwand nicht unter den Werbekosten zu finden wäre, sondern in die Fremdleistungen und somit Herstellungskosten fällt.

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