Steuern sind so alt wie die Großreiche des Altertums und entsprangen oft blanker Finanznot. Einst noch als Tribut, Zoll oder Zehnt erhoben, dienen Steuern seit jeher der Finanzierung des Staatswesens. Die ersten Spuren des deutschen Steuersystems finden sich bereits im frühen Mittelalter – angesichts der langen Steuergeschichte ist es kein Wunder, dass schon eine Vielzahl kurioser Steuern erhoben wurden.

Die Idee, private Gelder zum Erhalt des Gemeinwesens heranzuziehen, ist mehr als 5000 Jahre alt. Die ersten schriftlichen Belege für Steuererhebungen stammen aus dem dritten Jahrtausend vor Christus. Steuern waren dabei nicht immer allein monetärer Art: Vor der Einführung der Geldwirtschaft waren auch Arbeitsdienste, Ernteabgaben oder Zwangsdienste üblich.

Kuriose Steuern haben Tradition

Die ersten monetären Steuern gab es im alten Ägypten: Eine Erntesteuer und der Nilzoll gaben den Startschuss für das Steuerwesen. Für den Nilzoll wurden entlang des Flusses sogenannte „Nilometer“ errichtet, mit denen die Höhe der Überschwemmungen berechnet wurde. Die Überschwemmungshöhe bestimmte, wieviel fruchtbarer Schlamm auf die Felder gespült wurde. Für die Protokollierung der Überschwemmungshöhe wurden eigens Beamte abgestellt: Die sogenannten Nilmesser. Sie waren es, die dann auf Grundlage des Wasserpegels die Steuerhöhe festlegten.

Auch in der städtischen Hochkultur Mesopotamien wurden bereits 3000 vor Christi Geburt Abgaben auf Viehhaltung Fischfang erhoben, worüber die Tempelverwaltung akribisch Buch führte.

Steuern gibt es also seit mehreren Tausend Jahren; die beginnende Neuzeit aber offenbart echte steuerliche Kuriositäten.

Bartsteuer – Haare im Fokus des Fiskus

Von Steuern geplagt: Mann mit Bart.

Ein schöner Bart kann entzücken – nicht aber die horrende Bartsteuer unter Zar Peter dem Großen.

Zar Peter der Große führte 1699 eine sprichwörtlich haarsträubende Steuer in Russland ein: Um westliche Gepflogenheiten in seinem Reich zu etablieren, forderte er nicht nur entsprechende Kleidung, sondern sagte auch den langen Bärten der russischen Männer den Kampf an. Dem Zaren missfiel die religiös begründete Sitte langer Barthaare derart, dass er sie drastisch besteuerte. Männer, die sich nicht von ihrem Bart trennen wollten, mussten tief in die Tasche greifen. Die Bartsteuer richtete sich nach Tätigkeit und Vermögen; Kaufleute des niedrigen Standes bezahlten 60 Rubel für das Tragen eines Bartes, während Kaufleute aus dem obersten Stand sogar 100 Rubel abgeben mussten. Die übrigen Stadtbewohner bezahlten 30 Rubel pro Bart. Selbst Besucher, die in die Stadt kamen, mussten eine Kopeke für die Gesichtsbehaarung entrichten. Soldaten patrouillierten in den Straßen und überprüften die Bewohner – Bartträger, die die Bartsteuer nicht ordnungsgemäß bezahlt hatten, wurden von der öffentlichen Hand umgehend geschoren.

Tür- und Fenstersteuer: Ein teurer Ausblick

Frontseite eines Hauses mit bunter Türe und Fenster.

Teure Aussichten für Bauherren mit einem Faible für Fenster.

Knapp 100 Jahre später wurde in Frankreich die Steuer auf Türen und Fenster eingeführt. Was absurd klingt, hatte bis ins 19. Jahrhundert den Zweck, den Wert eines Hauses zu besteuern. Steuergrundlage waren alle Türen und Fenster von Gebäuden und Fabriken, die in Richtung einer Straße, eines Hofes oder eines Gartens zeigten. Die Steuer richtete sich außerdem nach der Größe der Ortschaft sowie der Art des verbauten Tores und nach Stockwerken. Die Konsequenz: Bauherren errichteten neue Gebäude von da an mit weniger Fenster und Türen.

Perückensteuer – Perücken als Luxusgut

Hund mit Perücke.

Das Tragen von Perücken wurde von Friedrich I. von Preußen besteuert – und das nicht zu knapp.

Im 17. und 18. Jahrhundert lag das Tragen von Perücken bei Wohlhabenden voll im Trend – bei Damen und Herren gleichermaßen. Kurzerhand führte Friedrich I. von Preußen eine Perückensteuer ein. Erfunden hat diese Luxusbesitzsteuer Johann Kasimir Kolb von Wartenberg, der bis 1711 Premierminister von Preußen war. Von Wartenberg erdachte zudem eine Hutsteuer, eine Strumpfsteuer, eine Kutschensteuer und den Vorläufer der Kaffeesteuer. Wer in Preußen mit Perücke unterwegs war, musste Drei Taler pro Perücke berappen. Ein Taler entspräche rund 50 Euro – Mode hatte also schon früher ihren Preis.