Finanzbeamte gelten gemeinhin nicht als die humorvollste Berufsgruppe unter der Sonne – zu Unrecht wie amüsante Geschichten aus der Finanzwelt zeigen. Oder sind Sie schon auf die Idee gekommen, ein Toilettentagebuch zu führen, um die Sanierungskosten Ihres heimischen Gäste-WCs als erweitertes Arbeitsmittel von der Steuer abzusetzen?

Das private Arbeitszimmer kann unter bestimmten Voraussetzungen anteilig als Werbungskosten oder Betriebsausgaben von der Steuer abgesetzt werden. Wer sich jetzt die Hände reibt und zwei Tage Homeoffice pro Woche von der Steuer absetzen will, der wird enttäuscht: Nur wer hauptsächlich in den eigenen vier Wänden arbeitet, kann das Arbeitszimmer in der Steuererklärung angeben.

Die Toilette: Stilles Örtchen für die Verrichtung (beruflicher) Geschäfte?

Während laufende Kosten für Miete, Wasser, Abwasser, Strom und Reinigung der privaten Wohnung anteilig abgesetzt werden können, sind Renovierungskosten für Arbeitsräume sogar vollständig abzugsfähig. Wohlwissend um diese Regelung wollte ein Betriebsprüfer des Finanzamtes seinem privaten Gäste-WC einen neuen Anstrich verpassen – mit Hilfe des Staatssäckels.

Faulheit kann man dem Amtsträger jedenfalls nicht vorwerfen, verfasste er doch akribisch ein Toiletten-Tagebuch, um den beruflichen Anteil seiner Toilettenbenutzung zu protokollieren – was den Richter am Finanzgericht Baden-Württemberg jedoch kalt ließ. Der entschied, dass neunmaliges Aufsuchen der Toilette während der Arbeitszeit nicht ausreicht, um auch Sanierungskosten für den stillen Ort steuerlich geltend zu machen. Begründung: Es sei nicht der Schwerpunkt der beruflichen Tätigkeit, der da ausgelebt werde.

Gemeinde Meckesheim: Das verkannte Steuerparadies

Verzweifelter Mann fasst sich an den Kopf und schreit

Dem früheren Kämmerer der Gemeinde Meckesheim wuchs die Arbeit über den Kopf – und schenkte ansässigen Firmen kurzerhand die Gewerbesteuer.

Weniger akribisch ging da der frühere Kämmerer der Gemeinde Meckesheim vor: Der hochrangige Beamte der Kleinstadt im Rhein-Neckar-Kreis erhob gut zehn Jahre lang von ansässigen Firmen nur sporadisch Gewerbesteuer – und brachte die Stadt so um fast 900000 Euro. Da der inzwischen 65-Jährige in 66 Fällen seiner Pflicht nicht nachgekommen ist, wurde er vom Landgericht Heidelberg 2013 zu elf Monaten Haft auf Bewährung verurteilt.

Einen traurigen Beigeschmack hat die skurrile Geschichte: Ein Gutachter bescheinigte dem früheren Leiter des Rechnungsamtes im Zuge des Prozesses eine psychische Krankheit – der Beamte litt seit Jahren unter einer Depression und schaffte das Arbeitspensum schlicht nicht, obwohl er nach eigener Aussage auch nachts und am Wochenende gearbeitet habe. Finanzbeamte sind eben auch nur Menschen.