Die Abgeltungssteuer per Definition ist eine Steuer, durch deren Zahlung die Einkommensteuerpflicht für den zugrundeliegenden Kapitalertrag abgegolten ist. Sie ist eine Kapitalertragsteuer und wird auf Kapitalerträge erhoben. Die Abgeltungssteuer ist eine Quellensteuer, da sie direkt an der Quelle der Vergütung vom Ertrag abgezogen wird. Sie wird immer automatisch von der Bank abgezogen und im Namen des Kapitalertragsempfängers und damit Steuerpflichtigen an das Finanzamt überwiesen. Der aktuelle Steuersatz liegt bei 25 Prozent. Deutsche Bürger zahlen allerdings zusätzlich noch den Solidaritätszuschlag. Damit erhöht sich der Satz auf 26,38 Prozent. Je nach Kirchenzugehörigkeit muss auch die Kirchensteuer gezahlt werden.

Auch bei der Lohnsteuer handelt es sich genau genommen um eine Abgeltungssteuer. Allerdings variiert hier der Steuersatz je nach Einkommen des Steuerzahlers zwischen 14 und 45 Prozent.

Gewinne: Was wird besteuert?

Privatpersonen, die vorsorgen möchten, wählen nicht selten Fonds oder auch Aktien als Geldanlage, um die Finanzen aufzubessern oder für das Alter vorzusorgen. Diese Anlage wirft im besten Fall satte Erträge ab, die die Sparer dann auf ein Sparkonto einzahlen können. Wenn diese Gewinne einen Freibetrag, den sogenannten Sparer-Pauschbetrag, in einem Jahr überschreiten, fällt die Abgeltungsteuer an. Versteuert werden müssen Erträge aus Geschäften mit Wertpapieren, Anleihen, Dividenden, realisierte Kursgewinne, Ausschüttungen, Zinsen – auch wenn diese auf Tagesgeld-Konten und anderen Sparkonten anfallen.

Seit 2018 gilt für Fonds eine andere Regelung. Die Abgeltungssteuer wird jährlich auf eine Pauschale berechnet, die sich am Wert des Fonds und einem Basiszins orientiert. Zusätzlich müssen nun auch Gewinne aus Fonds besteuert werden, in die vor 2009 investiert wurde. Bisher genossen Anleger einen Bestandsschutz und konnten diese Gewinne steuerfrei einfahren.

Keine Abgeltungssteuer für Immobilien

Ausgenommen von dieser Steuer sind Erträge aus der Verpachtung und Vermietung von Immobilien. Für sie müssen Sie zwar auch Steuern zahlen, allerdings führt das Finanzamt diese als Erträge aus Vermietung und Verpachtung. Der Verkauf von Immobilien ist nach zehn Jahren Besitz steuerfrei. Werden Immobilien davor verkauft, werden die Gewinne im Rahmen der Einkommensteuererklärung versteuert. Dann gilt der eigene Steuersatz des Verkäufers.

Der Freistellungsauftrag

Die Abgeltungssteuer auf Gewinne aus Geschäften am Aktienmarkt wird von der Bank direkt vom Konto, auf dem die Kapitalerträge eingehen, abgezogen. Sie führt die Steuer dann im Namen des Steuerpflichtigen an das Finanzamt ab. Aus diesem Grund muss der Kontoinhaber seine Steueridentifikationsnummer bei der Bank angeben. Wer das verhindern möchte, kann einen Freistellungsauftrag bei der Bank erteilen. Durch diesen Auftrag zieht die Bank erst dann die Steuern ab, wenn ein bestimmter, zuvor definierter Betrag erreicht wurde. Auf Kapitalerträge, die maximal 801 Euro betragen, müssen Singles in Deutschland keine Abgeltungssteuern zahlen. Bei Ehepaaren, die sich zusammen veranlagen lassen, liegt der Freibetrag bei 1.602 Euro. Es handelt sich um den sogenannten Sparer-Pauschbetrag.

Nicht nur Aktionäre freuen sich über den Freistellungauftrag. Wer ein Tagesgeldkonto zum Sparen hat, profitiert ebenfalls, wenn er einen Freistellungsauftrag erteilt, da die Zinsen, die er erhält, ebenfalls bis zum Sparerpauschbetrag von der Steuer befreit sind. Für das Tagesgeldkonto kann also ebenfalls ein Freistellungsauftrag ausgesprochen werden.

ACHTUNG Liegt die Steueridentifikationsnummer nicht vor, zieht die Bank die Steuer trotzdem ab und behält es ein.

Die Abgeltungssteuer in der Steuererklärung

Sie müssen in der Steuererklärung nicht angeben, dass Sie bereits die Abgeltungssteuer gezahlt haben oder diese nicht fällig wurde. Sie sollten allerdings dafür sorgen, dass Sie korrekte Freistellungsaufträge eingerichtet haben. Wenn Sie mehrere Konten mit Kapitalerträgen unterhalten, darf die Summe der Freistellungsaufträge nicht den Sparerpauschbetrag überschreiten. Die Regelungen gelten allerdings nur für Inlands-Geschäfte. Bei diesen hat die Bank bereits ihre Steuer-Identifikationsnummer vorliegen. Sie informiert das Finanzamt über Ihre Gewinne und führt gegebenenfalls die Steuer gleich ab.

Abgeltungsteuer mit einem Rechner online berechnen

Wenn Sie wissen wollen, wie hoch die Steuer auf Ihre Kapitalerträge sein wird, können Sie das online mit einem passenden Rechner herausfinden. Dazu müssen Sie lediglich wissen, wie hoch Ihre Einkünfte sind, die Höhe des Sparer-Pauschbetrages und die Kirchenzugehörigkeit angeben. Der Rechner berechnet Ihnen genau, wie hoch die zu zahlende Steuer ist und wie viel von Ihren Kapitalerträgen übrig bleibt.