Als Freiberufler werden per Definition Personen bezeichnet, die eine Tätigkeit ausüben, die nicht der Gewerbeordnung unterliegt und auf Grund dessen auch nicht gewerbesteuerpflichtig ist. Eine freiberuflich tätige Person arbeitet im Auftrag eines Arbeitgebers, bei dem der Freiberufler nicht festangestellt ist. Für diese Tätigkeit ist der Freiberufler auf Basis seiner bisherigen beruflichen Laufbahn oder einer persönlichen Begabung qualifiziert.

Voraussetzungen für Freiberufler

Freiberuflich tätige Personen müssen einen akademischen Abschluss oder eine vergleichbare Ausbildung beziehungsweise Zusatzausbildung absolvieren, um sich für die jeweilige Tätigkeit zu qualifizieren. Im Gegensatz zum Gewerbetreibenden muss der Freiberufler allerdings kein Gewerbe beim Gewerbeamt anmelden, sich nicht ins Handelsregister eintragen und dementsprechend auch keine Gewerbesteuer bezahlen. Lediglich eine Anmeldung beim Finanzamt ist nötig, um eine Steuernummer zu erhalten. Das Amt entscheidet dann, ob die gemeldete Tätig als freiberufliche anzuerkennen ist oder nicht. Darüber hinaus können Freiberufler ihre Umsatzsteuer mit der Vorsteuer verrechnen und so hohe Nachzahlungen vermeiden.

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Als Freiberufler sind Sie außerdem unabhängig von der Höhe Ihrer Einnahmen nicht verpflichtet, doppelte Buchführung zu betreiben und Sie müssen auch keine stichtagsbezogene Bilanz erstellen. Sie können stattdessen eine sogenannte Einnahmenüberschussrechnung durchführen. Grundsätzlich sind auch Freiberufler versicherungspflichtig: Eine Kranken-, Renten- und Pflegeversicherung müssen privat oder gesetzlich abgeschlossen werden. Die Arbeitslosenversicherung ist hingegen freiwillig. Allerdings gelten unterschiedliche Abstufungen der Versicherungspflicht. Im Zweifel lohnt es sich, den Sachverhalt beispielsweise bei den zuständigen Versorgungswerken verbindlich prüfen zu lassen

Freiberufliche Tätigkeiten

Sämtliche freiberuflichen Tätigkeiten sind im § 18 des Einkommensteuergesetzes EStG und § 1 des Partnergesellschaftsgesetzes PartGG aufgelistet. Dazu gehören in erster Linie „die selbständig ausgeübte wissenschaftliche, künstlerische, schriftstellerische, unterrichtende oder erzieherische Tätigkeit, die selbständige Berufstätigkeit der Ärzte, Zahnärzte, Tierärzte, Rechtsanwälte, Notare, Patentanwälte, Vermessungsingenieure, Ingenieure, Architekten, Handelschemiker, Wirtschaftsprüfer, Steuerberater, beratenden Volks- und Betriebswirte, vereidigten Buchprüfer, Steuerbevollmächtigten, Heilpraktiker, Dentisten, Krankengymnasten, Journalisten, Bildberichterstatter, Dolmetscher, Übersetzer, Lotsen und ähnlicher Berufe.“

Die im Gesetzestext verankerte Formulierung „ähnliche Berufe“ bietet die Möglichkeit der Ergänzung weiterer Berufe. Es ist außerdem nicht unüblich, dass sich mehrere Freiberufler zu einer Gemeinschaft zusammenschließen, die sich die Arbeitsräume teilt wie zum Beispiel diverse Anwaltskanzleien oder Arztpraxen. Solange die Freiberufler im Zuge dessen kein kleines Unternehmen gründen und wirtschaftlich sowie steuerlich weiterhin unabhängig voneinander agieren, bleibt ihr Status erhalten.

Rechnungsfreigabe Banner hochkant OrangeFreiberufler, Selbstständige, Gewerbetreibende oder Freelancer?

Für nicht festangestellte Personen gibt es verschiedene Bezeichnungen, die fälschlicherweise oft synonym verwendet werden.

Freiberufler müssen keine Gewerbesteuer zahlen und sich nicht ins Handelsregister eintragen. Doppelte Buchhaltung und Erstellung einer Bilanz sind nicht verpflichtend; stattdessen reicht eine Einnahmenüberschussrechnung.

Selbstständige arbeiten auf Rechnung und müssen Einkommen- sowie oft auch Umsatzsteuer zahlen. In der Selbstständigkeit arbeitende Personen handeln ihr Honorar selbst aus und bekommen sie auch in voller Höhe ohne Abzug von Sozialabgaben ausgezahlt.

Gewerbetreibende sind alle selbstständigen Unternehmer, die ein Gewerbe angemeldet haben und dieses auch langfristig ausführen, deren Tätigkeit nicht in die genannten Branchen für Freiberufler fällt. Sie müssen sich in der Industrie- und Handelskammer sowie im Handelsregister einschreiben, ihr Gewerbe mithilfe eines Gewerbescheins nachweisen und dementsprechend auch Gewerbesteuer zahlen.

Freelancer sind sogenannte Freie Mitarbeiter und können steuerrechtlich sowohl Gewerbetreibende als auch Freiberufler und Selbstständige sein. In welchen dieser Bereiche sie fallen, hängt von der Art der Tätigkeit ab. Sie arbeiten in der Regel frei für verschiedene Arbeitgeber, ohne bei einem Unternehmen fest angestellt zu sein. Erbrachte Leistungen werden einzeln abgerechnet.

Einnahmen aus gewerblicher und freiberuflicher Tätigkeit

Eine Person kann parallel als Gewerbetreibender sowie als Freiberufler gemeldet sein, wenn er zwei unterschiedliche Tätigkeiten ausübt, die dem jeweiligen Bereich zuzuordnen sind. Die Einkünfte sollten in diesem Fall strikt getrennt behandelt werden. Das bedeutet eine separate Buchführung, unabhängige Konten, getrennte Meldungen beim Finanzamt und unterschiedliche Jahresabschlüsse.

Achtung: Sollte eine Trennung der Tätigkeiten nicht möglich sein, weil sie sich direkt aufeinander beziehen, dann zählen die freiberuflich eingenommenen Einnahmen zum Gewerbebetrieb. Dieser Fall tritt beispielsweise ein, wenn ein Arzt neben seiner als freiberuflichen registrierten Arbeit in der eigenen Arztpraxis noch als Belegarzt in einer Klinik tätig ist.

Wissenswertes überVorteile für Unternehmen

Für Unternehmen bringt es einige Vorteile, Freiberufler als Freelancer zu beschäftigen. Im Vergleich zu Festangestellten bietet das Modell erhöhte Flexibilität bezüglich der Arbeitszeiten und der Aufträge. Als Arbeitgeber kann man mit qualifizierten Freiberuflern schneller und effizienter auf äußere Gegebenheiten reagieren. Da in freien Berufen arbeitende Personen darüber hinaus selbst für ihre berufliche Weiterbildung verantwortlich sind, sind sie in vielen Fällen überaus qualifiziert, engagiert und können auf einen größeren Erfahrungsschatz bei unterschiedlichen Auftraggebern zurückgreifen.

Dadurch, dass Freiberufler lediglich für die tatsächliche Tätigkeit bezahlt werden, können Unternehmen diesbezüglich trotz des häufig höheren Stundenlohns finanziell einsparen. Das rechnet sich vor allem in Branchen mit permanent wechselnden Bedingungen und Auftragslagen. Außerdem müssen Arbeitgeber für Freiberufler keine Sozialabgaben zahlen.