Die Grundsteuer ist neben der Gewerbesteuer eine der wichtigsten Einnahmequellen für Gemeinden. Sie wird schon seit der Kaiserzeit auf Grundstückseigentum und auch auf Erbbaurechte an Grundstücken erhoben. Ein anderer Begriff für die Steuer ist Bodenzins. Die Grundsteuer zahlt jeder Bürger, direkt oder indirekt. Denn auch wer keine Grundstücke oder Wohneigentum hat, also Mieter ist, zahlt die Steuer mit seiner Miete. Der Eigentümer, in diesem Fall der Vermieter, bekommt von der Gemeinde einen Steuerbescheid und legt die Steuerlast auf seine Mieter um, die dann die Steuer indirekt zahlen. Mieter finden die Angabe dazu meist in ihrer Nebenkostenabrechnung. Die Abgabe wird in zwei Arten aufgeteilt, A und B. Die Grundsteuer A wird auf agrarische Flächen erhoben, die Grundsteuer B auf bebaute oder bebaubare Grundstücke. Die zweite Abgabe ist in der Regel höher und macht deutlich höhere Steuereinnahmen aus als die Abgabe für Agrarflächen.

Die steuerliche Belastung bei bebauten Grundstücken kann für die einzelnen steuerpflichtigen Personen unterschiedlich hoch sein. Sie variiert je nachdem, ob es sich um ein leeres Grundstück handelt oder für eine Wohnung, für ein Einfamilienhaus oder ein großes Mietshaus bezahlt werden muss.

So wird die Grundsteuer berechnet

Die Berechnung der Grundsteuer ist sehr kompliziert. In Deutschland wird dafür der festgesetzte Marktwert einer Immobilie benutzt. Dieser wurde im Westen des Landes 1964 festgelegt, im Osten schon 1935. Seitdem wurde der Einheitswert nicht verändert – was von Immobilienbesitzern und Gerichten gleichermaßen kritisiert wird. Die Höhe des Einheitswertes pro Immobilie und Grundstück wird mit Hilfe verschiedener Faktoren errechnet. Wichtig sind dabei die Größe und Lage des Grundstücks sowie die Art der Bebauung. Dabei wird das Alter des Gebäudes, die Größe der Wohn- und Nutzfläche sowie die Höhe der möglichen Jahresmiete einberechnet.

Im nächsten Schritt wird die Grundsteuermesszahl eingerechnet. Dabei handelt es sich um einen festgesetzten Promillesatz, der nach Art der Bebauung und der Größe der Gemeinde festgesetzt wird. Der Satz ist einheitlich, allerdings ist er im Osten höher als im Westen. Bei der Berechnung der Grundsteuermesszahl wird auch zwischen Alt- und Neubauten unterschieden. Altbauten sind in diesem Fall Häuser, die vor 1924 gebaut wurden. Im letzten Schritt wird der individuelle Hebesatz der Gemeinde einbezogen. Der Hebesatz wird in einem Ratsbeschluss festgelegt.

Die Berechnung ändert sich

Die aktuelle Berechnung der Grundsteuer wurde bereits vom Bundesverfassungsgericht als verfassungswidrig erklärt. Grund dafür sind die Hebesätze, die zwischen 340 und 900 Prozent liegen. Diese Festsetzung der Grundsteuer mittels individueller Hebesätze verstoße gegen das Gleichheitsprinzip, so das Bundesverfassungsgericht. Bis Ende Dezember 2019 muss die Regelung reformiert werden. Die dazu notwendige Neubewertung des Grundstücks- und Gebäudewertes wurde schon 2016 vorgenommen. Der neue Wert soll die aktuell geltenden Einheitswerte ersetzen. Aktuell liegt noch kein Beschluss zur Grundsteuerreform aus dem Bundestag vor.