Bei den kalkulatorischen Zinsen handelt es sich laut Definition um Zinsen, die ein Unternehmen erwirtschaftet hätte, wenn es Eigenkapital in den Kapitalmarkt und nicht in die Unternehmung investiert hätte. Sie werden zum Beispiel für Sachanlagen errechnet, die das Unternehmen von seinem Eigenkapital erworben hat. Die Theorie dahinter: Hätte der Unternehmer das Geld nicht in das Unternehmen, sondern auf de Kapitalmarkt investiert, bekäme er Zinsen. Um zu erfahren, wie hoch diese Zinsen sein könnten, werden sie als kalkulatorische Zinsen errechnet.

Sinn und Zweck der kalkulatorischen Zinsen

Kalkulatorische Zinsen sind im Rechnungswesen dazu gedacht, die Wirtschaftlichkeit eines Unternehmens darzustellen. Dazu werden die errechneten fiktiven Zinsen von dem operativen Gewinn abgezogen. Das Unternehmen kann dann sehen, welchen Gewinn es über die Zinsen des Kapitalmarktes heraus erwirtschaftet hat. Besonders für Investoren ist der resultierende Wert interessant, da sie mit ihm genau abwägen können, ob es rentabler ist, Geld in das Unternehmen zu stecken oder auf dem Kapitalmarkt anzulegen.

ACHTUNG: Sie können die kalkulatorischen Zinsen nicht in der Steuer- oder Handelsbilanz verwenden. Es handelt sich schließlich um eine rein fiktive Verzinsung.

Wann werden kalkulatorische Zinsen berechnet?

Kalkulatorische Zinsen werden zumeist in regelmäßigen Abständen vom Controlling berechnet. Dabei können Sie die Zinsen zum Jahresabschluss ermitteln oder wenn Sie herausfinden wollen, ob sich die Kosten für eine Maschine oder ein anderes Gut über einen gewissen Zeitraum rentiert hat. Kalkulatorische Zinsen sind Teil der Kostenrechnung.

Berechnung der kalkulatorischen Zinsen mit der Restwertmethode

Wollen Sie die kalkulatorischen Zinsen berechnen, müssen Sie zuerst das durchschnittlich gebundene Kapital ermitteln. Dazu nehmen Sie sich einen Vermögenswert, zum Beispiel eine Sachanlage, für die Sie die Zinsen berechnen möchten. Der Wert, den der Gegenstand beim Kauf hatte (AK), wird mit dem Wert nach einer bestimmten Nutzungsdauer (RBW) addiert und anschließend durch 2 geteilt. Sie erhalten das durchschnittlich gebundene Kapital (DGK). Dieses Kapital multiplizieren Sie mit dem Kalkulationszins (i).

Die Formeln dazu lauten:

DKG = (AK + RBW) / 2

Kalkulatorischer Zins = DGK × i

Beispiel:

Ihr Unternehmen hat 2012 einen Fuhrpark im Wert von 100.000 Euro gekauft. Dieser ist nun schon fünf Jahre in Benutzung und wird insgesamt über zehn Jahre zu gleichen Teilen abgeschrieben. Sie schreiben also jährlich 10.000 Euro ab und haben bereits 50.000 Euro abgeschrieben. Der aktuelle Wert des Fuhrparks liegt nun also bei 50.000 Euro. Nun wollen Sie berechnen, welche Zinsen Sie bekommen hätten, wenn Sie das Geld nicht in den Fuhrpark, sondern in den Kapitalmarkt investiert hätten.

Dazu berechnen Sie zuerst das durchschnittlich gebundene Kapital mit der ersten Formel:

DKG= (100.000 + 50.000) / 2 DKG = 75.000 Euro

Sie errechnen ein durchschnittlich gebundenes Kapital von 75.000 Euro. Dieses Kapital multiplizieren Sie nun mit dem Kalkulationszins, der in unserem Beispiel der Einfachheit halber bei 1% liegt.

Kalkulatorischer Zins = 75.000 × 0,01

Kalkulatorischer Zins = 750 Euro

Sie wissen nun, dass Sie 750 Euro erwirtschaftet hätten, wenn Sie das Geld zum Beispiel bei einer Bank angelegt hätten.

ACHTUNG: Bei dieser Formel müssen Sie beachten, dass die Zinsen nur für ein Jahr berechnet werden. Wenn in verschiedenen Jahren verschiedene Zinssätze vorliegen, müssen auch mehrere Berechnungen gemacht werden. Vorteil: Die Methode ist in der Berechnung sehr aufwendig, dafür aber sehr genau.

Berechnung nach der Durchschnittswertmethode

Hierbei gehen Sie von einem durchschnittlichen Wert des Guts aus. Dementsprechend findet der Restwert, den die Sachanlage nach einem gewissen Nutzungszeitraum hat, keine Rolle. Stattdessen wird der durchschnittliche Wert als Grundlage genommen.

Die Formel sieht dann so aus:

Kalkulatorische Zinsen = (Anschaffungskosten / 2) × kalkulatorischer Zinssatz

Greifen wir wieder das Beispiel auf, bekommen wir folgende Gleichung:

Kalkulatorische Zinsen = (100.000 / 2) × 0,01

Kalkulatorische Zinsen: 500 Euro

Die Durchschnittswertmethode ist einfacher zu berechnen, allerdings hat sie eine gewisse Ungenauigkeit, da die Zinsen nur durchschnittlich dargestellt werden. Die tatsächlich mögliche Verzinsung kann also deutlich von dem Ergebnis abweichen.