Wer Mitglied in der evangelischen oder der katholischen Kirche ist, der muss in Deutschland die Kirchensteuer zahlen. Die Steuer dient der Finanzierung der Kirchen und wird vom Finanzamt eingezogen. Der Staat bekommt von der Kirche dafür Gebühren und führt nur einen Teil der eingenommenen Steuer ab. Eine Ausnahme ist Bayern. In dem Freistaat wird die Kircheneinkommensteuer durch die Kirchensteuerämter festgesetzt und erhoben. Die rechtliche Grundlage für die Kirchensteuer ist der Artikel 140 im Grundgesetz.

So hoch ist die Steuer

Die Steuer wird zusätzlich zur Lohnsteuer, Kapitalertrags- und Einkommensteuer auf das Einkommen erhoben und beträgt in den Bundesländern Bayern und Baden-Württemberg 8 Prozent. In allen anderen Bundesländern zahlen Kirchenmitglieder neun Prozent. Dabei hat die Kirche einen Mindestbetrag festgesetzt, auch als allgemeines Kirchgeld bezeichnet, den jedes Kirchenmitglied leisten muss. Sind die 8 oder 9 Prozent geringer als dieser Mindestbeitrag, wird dieser erhoben. Mit Ihrem Beitrag finanzieren Sie die Kirche in Ihrem Wohngebiet.

Kinderfreibeträge mindern die Steuer um einige Prozentpunkte. Für Ehepaare gilt auch bei der Kirchensteuer das Ehegattensplitting bei Zusammenveranlagung. Sie zahlen dann gemeinsam die Kirchensteuer. Liegt eine konfessionsverschiedene Ehe vor, in der ein Partner katholisch und der andere evangelisch ist, wir die Steuer zu gleichen Teilen an beide Kirchen aufgeteilt. Ist in der Ehe einer der Partner konfessionslos, wird nur der kirchenzugehörige Partner besteuert. Allerdings muss er nur auf einen Teil seines Einkommens die Kirchensteuer zahlen. Hier kann auch das besondere Kirchgeld zum Einsatz kommen. Welchen Satz Sie gezahlt haben, entnehmen Sie Ihrem Steuerbescheid zur Einkommensteuer.

So viel Kirchensteuer zahlen die Deutschen

Die Deutschen zahlen fleißig ihre Steuern und bescheren der Kirche damit jährlich über 6 Milliarden Euro. Dabei ist das Aufkommen in den vergangenen Jahren gestiegen.

Wer darf die Kirchensteuer erheben?

Die Religionsgemeinschaften in Deutschland dürfen die Kirchensteuer erheben – dazu gehören nicht nur die katholische und die evangelische Kirche, sondern auch andere Religionsgemeinschaften, wie die Gliedkirchen der evangelischen Kirche in Deutschland, das katholische Bistum der Alt-Katholiken in Deutschland, freireligiöse Gemeinden und die Unitarische Religionsgemeinschaft Freie Protestanten. Auch in diesen Fällen wird das Einkommen besteuert.

November ist Kirchenaustrittsmonat

Wer im kommenden Jahr keine Kirchensteuern mehr zahlen will, der muss in den meisten Bundesländern spätestens im November einen Termin beim Amtsgericht vereinbart und seinen Kirchenaustritt erklärt haben. Das gilt allerdings nur in den Bundesländern Berlin, Brandenburg, Hessen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Schleswig-Holstein und Thüringen. In allen anderen Ländern haben Sie bis zum 31. Dezember Zeit. Wer zu spät austritt, muss für das gesamte folgende Jahr die Kirchensteuer abtreten. Aus der Kirchensteuer auszutreten und weiter Mitglied in der Kirche zu bleiben ist nicht möglich. Das beschloss das Bundesverwaltungsgericht 2012.

Wieviel Kirchensteuer zahlen Sie?

Wenn Sie sich fragen, wie hoch die Steuer ist, die Sie monatlich oder jährlich an die Kirche abgeben, können Sie das ganz einfach mit einem Rechner online herausfinden. Dazu müssen Sie lediglich Ihr Bruttoeinkommen, Steuerklasse, Kirchenzugehörigkeit, Wohnort, den Abrechnungszeitraum und eventuelle bestehende Freibeträge eingeben. Der Rechner zeigt Ihnen automatisch in Euro wieviel Steuern Sie gezahlt haben. Es lohnt sich auch vor Gehaltsverhandlungen einen solchen Rechner zu nutzen, um herauszufinden, wie hoch das Brutto-Gehalt sein muss, damit ein gewisses Netto-Gehalt übrig bleibt.

Steuern voll absetzen

Die Kirchensteuer gilt als Sonderausgabe. Allerdings mit einer Besonderheit: Im Gegensatz zu anderen Sonderausgaben, denen sich Steuerzahler entziehen können, ist das bei der Kirche nicht möglich, wenn der Steuerpflichtige weiterhin Mitglied bleiben möchte. Dafür kann er die gezahlte Kirchensteuer voll von der Steuer absetzen.

Wofür wird die Kirchensteuer verwendet?

Ein Kirchengremium entscheidet, was mit dem Geld passiert. Die Steuer wird beispielsweise für die Ausstattung und Reparatur der Gemeindehäuser und Kirchen eingesetzt und dient auch der Bezahlung von Bischöfen und anderen Kirchenmitarbeitern. Auch Beratung, Seelsorge, Religionsunterricht und Kindergärten werden mit den Einnahmen finanziert.