Beim Reverse Charge Verfahren handelt es sich um eine Steuerschuldumkehr. Dabei ist nicht der verkaufende oder leistende Unternehmer, sondern der Kunde dazu verpflichtet, die Umsatzsteuer an das Finanzamt abzuführen. In diesem Fall darf nur das Nettoentgelt in Rechnung gestellt werden.

Wann gilt das Reverse Charge Verfahren?

Das Reverse-Charge-Verfahren ist keine Pflicht und kann bei innergemeinschaftlichen Lieferungen und Leistungen eingesetzt werden. Unternehmer, die diese Möglichkeit nutzen wollen, können dies nur bei Kunden tun, die eine Umsatzsteuer ID haben. Außerdem dürfen sie keine Steuern auf der Rechnung berechnen und müssen kennzeichnen, dass es sich um das Reverse Charge Verfahren handelt. Dazu muss auf der Rechnung die Information „Steuerschuldnerschaft des Leistungsempfängers“ zu finden sein. Zusätzlich muss der Unternehmer in jedem Quartal die Zusammenfassende Meldung beim Finanzamt einreichen, in der alle Geschäftsvorfälle, die mit ausländischen Kunden und Händlern in der EU zu tun hatten, aufgeführt werden.

Achtung: Wenn Sie vom Reverse-Charge Verfahren Gebrauch machen möchten, dann dürfen Sie auch bei kleinen Geldbeträgen keine Kleinbetragsrechnung ausstellen. Stattdessen muss in diesem Fall auch bei kleinen Beträgen eine richtige Rechnung ausgestellt werden.

Die Anwendung des Reverse-Charge Verfahrens im Beispiel

Die Firma Schneider Maschinen in München verkauft Produktionsmaschinen an Großbäckereien in ganz Europa. Im Januar verkauft das Unternehmen eine Maschine für 7.000 Euro an die Bäckerei Du Pain. Schneider Maschinen nutzt das Reverse-Charge-Verfahren und kennzeichnet dies auf der Rechnung. Die Bäckerei Du Pain muss als Leistungsempfänger nun die Mehrwertsteuer von 20 Prozent an das Finanzamt abführen und überweist einen Betrag von 1400 Euro. Die Firma Schneider muss sich um nichts kümmern und den Verkauf lediglich dem Finanzamt in der Zusammenfassenden Meldung mitteilen.

Vor- und Nachteile des Verfahrens

Das reverse Charge Verfahren hat für beide Seiten Vorteile. Das Unternehmen, das eine Leistung erbringt und die Steuerschuld auf den Leistungsempfänger überträgt, muss keine Steuern einnehmen und abführen und spart sich so einige bürokratische Schritte. Gerade bei grenzüberschreitenden Transaktionen ist das eine enorme Entlastung, da das leistende Unternehmen die Steuer sonst im Land des Empfängers abführen und dazu Kontakt mit dem dortigen Finanzamt aufnehmen müsste. Das Unternehmen, das eine Leistung empfängt, muss zwar die Umsatzsteuer abführen, kann diese aber auch direkt wieder als Vorsteuer geltend machen. Im Gegenzug ist es mit einem bürokratischen Aufwand verbunden, die Steuerschuld beim Finanzamt zu begleichen.

Das Reverse-Charge-Verfahren beugt Karussellbetrug vor

Allerdings hat das Verfahren auch Vorteile für den Staat. Denn so kann das bekannte Karussellgeschäft, eine in der EU verbreitete Form des Steuerbetrugs, verhindert werden. Am Karussellbetrug sind mehrere Unternehmen indirekt beteiligt. Wenn mehrere Unternehmen in einer Lieferkette immer wieder Handel miteinander betreibt und einer der Händler die eingenommene Umsatzsteuer nicht an das Finanzamt abführt, die anderen die gezahlte Umsatzsteuer allerdings als Vorsteuer geltend machen, handelt es sich um den Karussellbetrug. Das Problem: Die Lieferkette erstreckt sich meist über mehrere Ländergrenzen und die Steuerschuld fällt im Land des Käufers, nicht in dem des Händlers an. Vor- und Umsatzsteuer werden nicht verrechnet und Staaten zahlen geltend gemacht Vorsteuern zurück, die tatsächlich nie gezahlt wurden. Durch solche Steuerbetrüge entgegen dem Fiskus mehrere Milliarden Euro jährlich.

Welche Drittländer nehmen am Reverse-Charge-Verfahren teil?

Alle Länder der Europäischen Union ermöglichen die Anwendung des Verfahrens. Allerdings gilt das nicht für alle ansässigen Händler und auch nicht für alle Waren. Jedes Land hat dabei seine eigenen Bestimmungen, was die Anwendung von Reverse Charge betrifft. Wenn Sie also Verkäufe aus Deutschland in ein anderes EU-Land planen, sollten Sie im Zweifel Ihren Steuerberater zu den dort geltenden Regelungen des Reverse-Charge-Verfahrens befragen.