Berufliche Selbstständigkeit bedeutet, dass der oder die Erwerbstätige arbeitgeberunabhängig und auf eigene Rechnung arbeitet. Es gibt verschiedene Formen der Selbstständigkeit, da diese sowohl im Einzel- als auch im eigenen Unternehmen mit Mitarbeitern oder in einer Gesellschaft ausgeübt werden kann. Der Begriff Existenzgründung bezeichnet den Einstieg in eine selbstständige Tätigkeit.

Eine Abgrenzung zwischen Arbeitnehmern und Selbstständigen ist wichtig, da der Status weitreichende Rechtsfolgen für die Betroffenen hat. Beruflich selbstständige Personen sind beispielsweise für ihre Tätigkeiten voll haftbar und zahlen für sich selbst Gewerbe-, Umsatz– sowie Einkommenssteuer. Außerdem trägt der oder die Selbstständige auch für alle Bereiche seiner Unternehmung die Verantwortung. Bei einem Einzelunternehmen bedeutet das beispielsweise, dass Buchhaltung, Marketing und alle anderen anfallenden Aufgaben neben dem Kerngeschäft von einer Person ausgeführt werden. Je nach Unternehmensgröße und angestelltem Personal sind hier außerdem Aufgaben im Personalmanagement zu nennen.

Voraussetzungen für Selbstständigkeit

In Deutschland können beinahe alle geschäftsfähigen Personen eine Selbstständigkeit anmelden. Nach dem Grundsatz der Gewerbefreiheit (§ 1 Absatz 1 der Gewerbeordnung) darf hierzulande jedermann jedes Gewerbe ausüben. Deutsche Staats- und EU-Bürger müssen dabei keine besonderen Anforderungen erfüllen. Nicht EU-Bürger sind ebenfalls zur Selbstständigkeit in Deutschland berechtigt, wenn sie eine unbefristete Niederlassungserlaubnis oder eine befristete Aufenthaltsgenehmigung haben. Sie müssen jedoch, anders als in Deutschland oder der EU Ansässige, finanzielle Sicherheit und eine positive Auswirkung der geplanten Tätigkeit auf die Wirtschaft nachweisen können. Wesentlichster Schritt, um sich selbstständig zu machen, ist die Anmeldung eines Gewerbes und der entsprechende Eintrag ins Handelsregister.

Selbstständiges Arbeiten ist in fast allen Branchen möglich, in manchen gibt es allerdings Einschränkungen, die in der Regel besondere Abschlüsse oder Zertifizierungen von den Selbstständigen verlangen. In diesen Bereich fallen vor allem Ärzte und Anwälte oder auch Wirtschaftsprüfer. Für Berufe im kreativen und künstlerischen Sektor ist meistens keine gesonderte Qualifizierung nötig. Die Anforderungen an diese Selbstständigen werden von der jeweils zuständigen Kammer festgelegt.

Vorteile und Risiken

Für eine berufliche Selbstständigkeit spricht beispielsweise, dass Selbstständige über ihre Arbeitszeiten und über die Verteilung der eigenen Arbeitskraft frei bestimmen können. Auch Arbeitsplatz – damit verbunden eventuelle Büroräumlichkeiten – und tägliche Dauer der Arbeitszeit kann ein Selbstständiger unabhängig wählen. Absolute Entscheidungsfreiheit in allen geschäftlichen Belangen und die Freiheit, den eigenen Businessplan umzusetzen, sind ebenfalls große Pluspunkte.

Auf der anderen Seite stehen die finanziellen Risiken und die Verantwortung, die bei der Selbstständigkeit auf eine Einzelperson umgelegt werden. Wer sich mit Eigenkapital selbstständig macht, riskiert auch, dieses bei finanziellem Misserfolg der Unternehmung zu verlieren und Privatinsolvenz anmelden zu müssen. Selbstständig Tätige tragen die vollen Kosten für Kranken- und Rentenversicherung – die sonst zum Teil der Arbeitgeber übernimmt – selbst. Zusätzlich bürgt der Selbstständige nach der Gründung eines Unternehmens in den meisten wirtschaftlichen und rechtlichen Aspekten nicht nur mit dem Unternehmens-, sondern auch mit seinem Privatvermögen.

Abgrenzung von Freiberuflern

Der Begriff Freiberufler wird im allgemeinen Sprachgebrauch häufig mit der Selbstständigkeit synonym verwendet. Das ist nicht korrekt: Nur ein Teil der Selbstständigen ist auch freiberuflich tätig. Freiberufler sind beispielsweise von der Gewerbesteuer befreit, weil sie in bestimmten Berufen arbeiten, die nicht der Gewerbesteuer unterliegen. Außerdem müssen sie sich auch nicht bei der örtlichen Industrie- und Handelskammer anmelden und dementsprechend auch dort keine Beiträge zahlen. Freiberufler arbeiten vor allem in künstlerischen und wissenschaftlichen Bereichen. Genauere Informationen diesbezüglich entnehmen Sie § 18 des Einkommenssteuergesetzes. Sie müssen auch keine doppelte Buchführung organisieren und keine Bilanz erstellen. Eine Einnahmeüberschussrechnung ist ausreichend.

Förderung von Selbstständigkeit in Deutschland

Die Entscheidung für eine Existenzgründung wird in Deutschland vielfach gefördert. Wer beispielsweise mit Eigenkapital gründet oder nur einen niedrigen Gründerkredit erhält, darf zusätzlich Arbeitslosengeld erhalten. Einen Gründungszuschuss bekommt beispielsweise, wer aus dem ALG I heraus gründet. Eine Gründung aus dem ALG II heraus erhält eine Einstiegsgeldbezuschussung.

Voraussetzungen für staatliche Förderung sind in der Regel ein überzeugender Businessplan und eine realistische sowie positive Einschätzung der Rentabilität der geplanten Unternehmung. Nach Ablauf des definierten Berechtigungszeitraumes muss die Unternehmung finanziell erfolgreich sein, um weitere Unterstützung zu bekommen.